Städtepartnerschaft gestern und heute – Was kann sie leisten?
27. Januar 2026

Am Freitag, den 23. Januar 2026, nahm ich an der Podiumsdiskussion „Städtepartnerschaft gestern und heute – Was kann sie leisten?“ des Friedensforums Düsseldorf im Salzmannbau teil. An der Gesprächsrunde beteiligten sich Herr Oleg Krasnitzky, Generalkonsul der Russischen Föderation, Frau Dr. Andrea Gebauer, ehemalige Leiterin des Russland-Kompetenzzentrums der IHK Düsseldorf, sowie Frau Eva Aras vom Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln–Wolgograd und Prof. Dr. Barbara Lachhein von der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnungen aus Essen.
Ich habe den Besucherinnen und Besuchern erläutert, dass Düsseldorf im Verhältnis zwischen Deutschland und Russland beziehungsweise der Sowjetunion immer eine wichtige Rolle gespielt habe. So war die Messe Düsseldorf bereits seit 1963 in Moskau präsent und damit eines der ersten westdeutschen Unternehmen, das intensive Kontakte zur damaligen Sowjetunion gepflegt hat.
1979 war Düsseldorf Schauplatz des Erdgas-Röhren-Geschäfts, das zwischen dem Rechtsvorgänger von Gazprom, der damaligen Ruhrgas AG, und der Deutschen Bank (die seinerzeit noch einen Sitz in Düsseldorf hatte) geschlossen wurde. Düsseldorf war Sitz des Russland-Kompetenzzentrums und Standort der jährlichen Russland-Konferenz, die in Zusammenarbeit von Stadt, Messe und IHK veranstaltet wurde. Zahlreiche Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf – Henkel, Metro, SMS, um einige zu nennen – waren im russischen Markt aktiv. Auch vor diesem Hintergrund habe ich während meiner Amtszeit als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf die Städtepartnerschaft mit Moskau intensiv gepflegt und weiter ausgebaut. Insofern habe ich die Entscheidung meines Nachfolgers bedauert, diese Partnerschaft nach Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 einzufrieren und faktisch zu beenden. Ich habe seinerzeit geäußert, dass angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine die offiziellen Beziehungen zwar zumindest vorübergehend suspendiert werden sollten; umso wichtiger aber sei es, zumindest die Kontakte mit der Zivilgesellschaft, etwa im Bereich von Schule, Kultur und Sport, soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Städtepartnerschaften betreiben keine Außen- oder Sicherheitspolitik. Ihr Kernanliegen ist es, den Kontakt zwischen den Menschen aufrechtzuerhalten – gerade in schwierigen Zeiten.
Als Oberbürgermeister bin ich in jedem Jahr meiner Amtszeit nach Moskau gereist. 2017 nahm ich am Moscow Urban Forum anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Düsseldorf–Moskau teil. Ich unterstützte Projekte wie die „Düsseldorfer Tage“ in Moskau, die den kulturellen Austausch förderten, und war bei wirtschaftlichen Veranstaltungen wie der Modemesse Collection Première Moscow präsent, um Düsseldorf als innovativen und international vernetzten Wirtschaftsstandort zu vertreten.
Ich habe in der Diskussion auch darauf hingewiesen, dass Bundeskanzler Merz in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang der IHK Halle ausdrücklich erwähnt hat, wie wichtig es sei, mit Russland, unserem größten Nachbarn in Europa, wieder vernünftige Beziehungen zu entwickeln. Dabei können Städtepartnerschaften eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Kontakte, Freundschaften und zivilgesellschaftliche Beziehungen zu erhalten und eines Tages wieder auszubauen.
Jugendbegegnungen, Partnerschaftsvereine, Kulturprojekte und wirtschaftliche Kooperationen schaffen Vertrauen, bauen Feindbilder ab und fördern gegenseitiges Verständnis. Wer als junger Mensch Zeit in der Partnerstadt verbracht hat, wer Freundschaften geschlossen oder gemeinsam Musik, Sport oder Projekte erlebt hat, wird die Menschen in Russland und das Land selbst anders beurteilen als jemand, der es nur als „Feind“ aus den Medien kennt.
Generalkonsul Krasnitzky betonte, dass es aus seiner Sicht Jahre dauern könne, bis sich die deutsch-russischen Beziehungen normalisieren. Umso wichtiger sei es, die verbliebenen Kanäle offenzuhalten. Derzeit funktionierten vor allem private Kontakte – etwa durch die engagierte Arbeit der Freundschaftsvereine aus Essen und Köln, die trotz aller Schwierigkeiten weiterhin Begegnungen und private Reisen nach Russland ermöglichen. Der klassische Tourismus ist aufgrund der Sanktionen allerdings weitgehend zum Erliegen gekommen.
Frau Dr. Andrea Gebauer ergänzte, dass die langjährigen Messeaktivitäten eine wichtige Grundlage für die Städtepartnerschaft Düsseldorf–Moskau im Jahr 1992 bildeten. Um die Wirtschaftsbeziehungen über das Messegeschäft hinaus zu stärken, gründete die Messe Düsseldorf im Jahr 2001 gemeinsam mit der Stadt Düsseldorf und der IHK Düsseldorf das Russland-Kompetenzzentrum NRW. Im selben Jahr wurden erstmals die Düsseldorfer Wirtschaftstage in Moskau ausgerichtet. Ebenso wichtig waren die „Moskauer Tage in Düsseldorf“, die den Austausch in die andere Richtung förderten.
Mein Fazit: Städtepartnerschaften sind kein Luxus, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer umfassenden Friedenspolitik. Gerade in Zeiten von Krieg und Konfrontation dürfen diese Brücken nicht abgerissen werden – denn sie sind oft das Letzte, was bleibt, und das Erste, worauf wir nach einem Friedensschluss wieder stabile und vertrauensvolle Verbindungen gründen können.
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